Das Bild vom Schrauber mit ölverschmierten Händen hält sich hartnäckig. Die Realität in der Werkstatt sieht längst anders aus. Wer heute Kfz-Mechatroniker oder Kfz-Mechatronikerin lernt, arbeitet mit Diagnosesoftware, Messgeräten und Hochvoltsystemen. Der Beruf ist anspruchsvoller geworden, und das zeigt sich in der Berufsschule und bei den Prüfungen.

Mehr Elektrik, mehr Rechnen

Mit jedem Elektro- und Hybridfahrzeug wächst der Anteil der Elektrotechnik im Werkstattalltag. Spannung, Stromstärke, Widerstand und Leistung sind keine Theorie mehr, sondern tägliches Handwerkszeug. Wer eine Batterie mit 400 oder 800 Volt prüft, muss Messwerte richtig deuten und Grenzwerte kennen. Auch klassische Themen wie Übersetzungsverhältnisse, Drehmoment und Verbrauchsberechnungen setzen sicheres Rechnen voraus.

Die Gesellenprüfung in zwei Teilen

Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre und endet mit einer gestreckten Gesellenprüfung. Teil 1 findet etwa zur Mitte der Ausbildung statt und fließt bereits in die Endnote ein. Wer hier wegen Rechenfehlern Punkte verliert, schleppt das bis zum Abschluss mit. Ausbilder berichten, dass viele Azubis handwerklich geschickt sind, aber bei schriftlichen Aufgaben zu Formeln und Einheiten ins Straucheln geraten.

Wo die Lücken herkommen

Die Ursachen liegen meist in der Schulzeit. Bruchrechnung, Prozentrechnung, das Umstellen von Gleichungen: Was in Klasse 7 oder 8 nicht verstanden wurde, holt Azubis in der Berufsschule wieder ein. Solide Grundlagen in Mathe sind deshalb schon vor Ausbildungsbeginn ein echter Vorteil. Und wer die physikalischen Zusammenhänge hinter Elektrik und Mechanik verstehen will, profitiert von gezielter Nachhilfe in Physik, die an Beispielen aus der Technik ansetzt.

Unterstützung während der Ausbildung

Es ist nie zu spät, Lücken zu schließen. Die Agentur für Arbeit fördert mit der Assistierten Ausbildung Azubis, die Unterstützung brauchen. Daneben gibt es private Angebote, die sich gezielt an Auszubildende richten, etwa Nachhilfe für Azubis, die auf Berufsschulstoff und Prüfungsvorbereitung eingeht. Online-Unterricht hat hier einen praktischen Vorteil: Er lässt sich nach Feierabend einschieben, ohne zusätzliche Fahrt.

Was Betriebe tun können

Werkstätten, die ihre Azubis halten wollen, sollten Lernschwierigkeiten früh ansprechen. Ein kurzer Check der Berufsschulnoten nach dem ersten Halbjahr, ein fester Lernnachmittag im Monat oder die Übernahme von Nachhilfekosten sind überschaubare Investitionen, verglichen mit einem Ausbildungsabbruch. Der Fachkräftemangel im Kfz-Gewerbe ist bekannt; jeder Azubi, der die Prüfung besteht, zählt.

Die Werkstatt der Zukunft braucht Menschen, die mit Schraubenschlüssel und Laptop gleichermaßen umgehen können. Mathe und Physik sind dafür keine lästige Pflicht, sondern das Fundament.