Die Batterie eines Elektroautos ist oft fünf- bis zehnmal so groß wie ein typischer Hausspeicher. Die meiste Zeit steht das Fahrzeug in der Garage, voll geladen, ohne dass jemand die gespeicherte Energie nutzt. Bidirektionales Laden soll das ändern: Das Auto nimmt tagsüber Solarstrom auf und gibt ihn abends ans Haus zurück.

Drei Begriffe, ein Prinzip

Bei Vehicle-to-Load versorgt das Auto einzelne Geräte über eine Steckdose, etwa beim Camping. Vehicle-to-Home bedeutet, dass das Auto das ganze Haus mitversorgt. Vehicle-to-Grid geht noch weiter: Das Auto speist ins öffentliche Netz ein und kann damit zur Netzstabilität beitragen. Für Haushalte mit Photovoltaik ist vor allem Vehicle-to-Home interessant.

Was schon funktioniert

Einige Modelle unterstützen bidirektionales Laden bereits, vor allem über Gleichstrom-Wallboxen. Diese sind deutlich teurer als normale Wallboxen, und nicht jeder Hersteller gibt die Nutzung der Batterie für das Haus frei, teils mit Auswirkungen auf die Garantie. Einen Überblick über den Stand beim bidirektionalen Laden und Vehicle-to-Home geben Fachbetriebe, die sich auf Photovoltaik spezialisiert haben.

Rechtliche und technische Hürden

In Deutschland fehlten lange die rechtlichen Grundlagen, etwa zur doppelten Belastung mit Netzentgelten, wenn Strom zwischengespeichert wird. Der Gesetzgeber hat hier nachgebessert, doch die Umsetzung bei Netzbetreibern und Messstellen braucht Zeit. Technisch ist eine Anmeldung beim Netzbetreiber nötig, und die Wallbox muss mit dem Energiemanagement des Hauses kommunizieren.

Die Zwischenlösung: Überschussladen

Bis bidirektionales Laden alltagstauglich ist, bleibt das Überschussladen der pragmatische Weg. Die Wallbox lädt das Auto mit dem Strom, der gerade vom Dach übrig ist, und passt die Ladeleistung laufend an. Wie das funktioniert und welche Wallboxen es können, beschreibt ein Ratgeber zum Laden mit PV-Überschuss.

Worauf Käufer achten sollten

Wer heute ein Elektroauto kauft und später bidirektional laden möchte, sollte nachfragen, ob das Modell die Funktion unterstützt und ob der Hersteller sie für das Haus freigibt. Bei der Wallbox lohnt es sich, auf Erweiterbarkeit zu achten.

Das Elektroauto als Hausspeicher ist keine Zukunftsmusik mehr, aber noch kein Standard. Für die meisten Haushalte ist das Überschussladen heute der beste Weg, Sonnenstrom in den Tank zu bringen.