Wer sich Fotos aus der Mitte der Sechzigerjahre ansieht, erkennt die Epoche oft schon an den Autos am Straßenrand. Rundliche Käfer neben kantigen Limousinen, dazwischen ein Kleinstwagen, der kaum größer ist als ein Motorroller. 1966 war für München ein besonderes Jahr: Der TSV 1860 holte die Deutsche Meisterschaft, und dieselbe Stadt war Sitz eines Autoherstellers, der sich gerade neu erfand. Ein guter Anlass, das Autojahrzehnt jener Meistersaison genauer anzusehen – und zu fragen, was diese Fahrzeuge für Liebhaber von heute so reizvoll macht.

Vom Kleinstwagen zur Mittelklasse

In den Fünfzigerjahren hatte sich ein großer Teil der Deutschen zum ersten Mal ein eigenes Fahrzeug leisten können – oft einen Kleinstwagen oder einen Kabinenroller. Das niederbayerische Goggomobil von Hans Glas aus Dingolfing ist das bekannteste Beispiel für diese Fahrzeugklasse. In den Sechzigern wuchsen die Ansprüche mit den Einkommen. Wer konnte, stieg auf einen Wagen mit vier richtigen Sitzplätzen und Kofferraum um.

Unangefochtener Alltagsheld blieb der VW Käfer. Sein luftgekühlter Heckmotor galt als robust, Ersatzteile gab es überall, und für viele Familien war er das erste Auto, mit dem es über die Alpen in den Urlaub ging. Daneben etablierte sich die Mittelklasse: Opel brachte 1962 den Kadett zurück, Ford hatte den Taunus im Programm, Mercedes-Benz baute seine Limousinen mit den charakteristischen Heckflossen.

Münchens Autobauer erfindet sich neu

Für München war die „Neue Klasse“ von BMW das Fahrzeug der Stunde. Nach wirtschaftlich schwierigen Jahren, in denen das Unternehmen zwischen großen Luxuslimousinen und der kleinen Isetta wenig dazwischen anbot, stellte BMW 1961 den 1500 vor. Die sportliche Limousine mit vier Türen traf genau den Geschmack einer wachsenden Mittelschicht und gilt bis heute als das Modell, mit dem der Aufstieg des Herstellers begann. Im Meisterjahr 1966 übernahm BMW zudem die Hans Glas GmbH – und damit ausgerechnet den Hersteller des Goggomobils.

Technik ohne Netz und doppelten Boden

Wer heute in ein Auto aus dieser Zeit steigt, merkt schnell, wie viel sich verändert hat. Sicherheitsgurte gehörten in den meisten Fahrzeugen nicht zur Serienausstattung. Erst ab 1974 mussten Neuwagen in Deutschland vorne mit Gurten ausgestattet sein, die Anschnallpflicht folgte 1976, ein Verwarnungsgeld für Gurtmuffel 1984. Kopfstützen, Knautschzonen nach heutigem Verständnis, Airbags oder Antiblockiersysteme gab es in Großserienautos der Sechziger nicht.

  • Bremsen: Viele Modelle verzögerten rundum mit Trommelbremsen. Scheibenbremsen an der Vorderachse setzten sich im Laufe des Jahrzehnts erst langsam durch.
  • Lenkung: Servolenkung war die Ausnahme. Beim Rangieren war Kraft gefragt.
  • Wartung: Abschmieren, Zündung einstellen, Ventilspiel prüfen – Arbeiten, die heute kaum noch jemand kennt, waren damals regelmäßige Routine.
  • Tempo: Ein allgemeines Tempolimit auf Landstraßen gab es noch nicht; die Grenze von 100 km/h außerorts wurde erst 1972 eingeführt.

Was einen Oldtimer heute ausmacht

Viele Fahrzeuge aus den Sechzigern sind inzwischen begehrte Klassiker. Wer einen solchen Wagen besitzt oder kaufen möchte, stößt schnell auf das H-Kennzeichen. Es steht für „historisch“ und kann beantragt werden, wenn die Erstzulassung mindestens 30 Jahre zurückliegt, das Fahrzeug weitgehend dem Originalzustand entspricht und sich in gutem Erhaltungszustand befindet. Ein amtlich anerkannter Sachverständiger prüft das in einer eigenen Begutachtung.

Das H-Kennzeichen bringt praktische Vorteile: Die Kfz-Steuer wird pauschal berechnet, und Fahrzeuge mit H-Kennzeichen dürfen in Umweltzonen fahren, obwohl sie keine Feinstaubplakette bekommen würden. Im Gegenzug sind Umbauten nur eingeschränkt zulässig. Zeitgenössische Veränderungen, die schon damals üblich waren, werden meist akzeptiert, ein moderner Motor oder ein großes Infotainmentsystem dagegen nicht.

Fahren statt nur besitzen

Ein Oldtimer will bewegt werden. Standschäden an Dichtungen, festgegangene Bremsen und alter Kraftstoff im Tank sind typische Probleme von Fahrzeugen, die jahrelang nur in der Garage stehen. Viele Besitzer nutzen ein Saisonkennzeichen und fahren ihren Klassiker von Frühjahr bis Herbst. Auch Ausfahrten in Clubs und Oldtimer-Treffen gehören zur Kultur, in der Technik, Erinnerung und Gemeinschaft zusammenkommen.

Wer mit einem Wagen aus den Sechzigern unterwegs ist, fährt dabei vorausschauender. Die Bremswege sind länger, die Beschleunigung ist gemütlicher, und auf der Autobahn rollt man im rechten Fahrstreifen mit. Genau diese Entschleunigung schätzen viele Liebhaber.

Erinnerung, die man tragen kann

Das Interesse an den Sechzigern zeigt sich nicht nur in Garagen und auf Oldtimermessen. Auch im Fußball wird die Zeit lebendig gehalten. So sind in das Heritage-Trikot mit den Namen der Meisterelf von 1966 die Spieler jener Saison eingewebt. Für viele ältere Fans verbinden sich darin dieselben Bilder wie bei einem Klassiker auf der Straße: Giesing, Wirtschaftswunder und eine Mannschaft, deren Namen man bis heute kennt.

Häufige Fragen zu Oldtimern der Sechziger

Ab wann gilt ein Auto als Oldtimer?

Für das H-Kennzeichen muss die Erstzulassung mindestens 30 Jahre zurückliegen. Zusätzlich muss das Fahrzeug weitgehend original und gut erhalten sein, was ein Gutachten bestätigt.

Muss ich in einem Oldtimer ohne Gurte einen nachrüsten?

Fahrzeuge, die vor der Ausrüstungspflicht zugelassen wurden, dürfen ohne Gurte gefahren werden, wenn sie nie welche hatten. Sind Gurte eingebaut, müssen sie auch angelegt werden. Ein Nachrüsten ist aus Sicherheitsgründen oft sinnvoll.

Darf ich mit einem Oldtimer in die Münchner Umweltzone?

Mit H-Kennzeichen ja. Fahrzeuge mit H-Kennzeichen sind von der Plakettenpflicht in Umweltzonen ausgenommen.